Osterbräuche - Sudetendeutsche Landsmannschaft Oberfranken

Die Sudetendeutschen
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Das Jahr 2017
Osterbräuche
im Komotauer Land
Christus stürzt
unterm Kreuz
Ostern, das zweitwichtigste Fest im Jahreskreis der Christenheit, wird eingeleitet vom Palmsonntag. Jesus zog zum jüdischen Passahfest in Jerusalem ein. das Volk streute Palmzweige. Die römische Kirche weiht an diesem Sonntag Palmzweige. In unseren Breiten gibt es keine echten Palmen. Das wenige Grün, das Ende März / Anfang April draußen wächst, ist nicht geeignet für große Feiern. So ist man auf die Palmkätzchen gekommen, die zu dieser
Schnorrngieh
Aufpeitschen
Jahreszeit draußen überall sprießen. Auf die Palmweihe am Palmsonntag wurde im Komotauer Land noch viel gehalten. Jede Familie trachtete, einige Palmzweige hinterm Kruzifix am Herrgottswinkel zu haben. Diese waren Sinnbild des Lebensbaumes.
Am Osterfeuer   wurden zuerst die Osterkerze und die Altarkerzen entzündet. Vor der Kirche und am Friedhof wurde der "Judas" verbrannt. Die Kohle des Judasfeuers brachte man nach Hause, da
sie zauberkräftig waren. In Sebastiansberg legte man einige Stücke davon unters Dach, um das Haus vor Feuersbrunst zu schützen. In Trauschkowitz streute man die Asche des Judasfeuers auf das Weizenfeld, damit der Weizen nicht brandig wurde.
Am Gründonnerstag reisten die Glocken nach Rom. Nach dem Gloria des Hochamtes schwiegen alle Glocken. An ihre Stelle traten die die Ratschen und Klappern der Buben.
Osterreiten
Die Auferstehung
Sie machten vor den Häusern einen tüchtigen Spektakel, mutmaßlich, um die Hexen damit auszutreiben. Für diese wichtige Zeremonie erhielten die Buben von den Hausfrauen ein Ei oder ein Geldstück. Im Gebarch mußte man am Karfreitag zeitig zum Bach gehen und sich waschen. Dies sollte Krankheiten, insbesondere Zahnschmerzen nehmen. In Sebastiansberg gingen gichtbrüchige Leute in den Wald um dort ihre Krankheit zu verbannen.
Schnorrngieh
Sie durften weder  sprechen, noch sich umdrehen. Eine alte Bauernregel sagte: "Regnet es am Karfreitag, so regnet es den ganzen Sommer, hält aber trotzdem keine Feuchte." (Märzdorf). Besonders schön war in der Komotauer Ignatiuskirche das heilige Grab.
Die ganze Stadt zog an den Kartagen wohl daran vorbei. Am Karsamstag erzeugte man in der Kirche das Osterfeuer an einem Stein. Sinnbild des Auferstandenen, der auch aus einem Stein hervortrat.
Mit dem Läuten der Osterglocken kehrte die Fröhlichkeit bei den Gläubigen wieder. Am Abend des Karsamstag war in der Komotauer Ignatiuskirche die Auferstehungsfeier. Prozession mit dem Allerheiligsten und brausendem Orgelklang waren dabei krönender Höhepunkt. Ein Kaplan ging vor dem Sanktissimum in der Kirche einher, um es ständig zu beweihräuchern. Während der Auferstehungsfeier krachten überall Böllerschüsse.
Am Ostersonntag zog man in Sonnenberg um 4 Uhr früh  auf den Friedhof und sang:"Der Heiland ist erstanden." In Ukkern trieb man die Pferde in den Teich und ritt im Teich herum. In Trauschkowitz zog früh eine Musikkapelle durchs Dorf. In Gabrielahütten spielten 2 Musikkapellen vom Brandauer Berg und vom Zeichenberg herab und trugen so die Auferstehungsfreude in die Täler und Hütten.
Zeitig früh wurde das Osterwasser eingetragen und in Flaschen unter Luftabschluß sorgfältig aufbewahrt. Es wurde nie schlecht und half gegen Krankehiten aller Art. In Gabrielahütten durfte das Osterwasser nur geholt werden, wenn sich die Sonne noch nicht im Wasser gespiegelt hat. In Prahn nannte man dieses Wasser   "stillschweigendes Wasser".
Der Ostermontag war in der Osterzeit für die Buben der große Tag. Der Vater oder ein Angehöriger hatte aus Salweidenruten eine Gerte, eine "Peitsche" , ca. 60 cm lang, ähnlich einem Haarzopf geflochten. Die war mit einer Schleife verziert. Damit gingen die Buben zu Nachbarn und Bekannten und sagten ein Sprüchlein auf. Sie peitschten dabei mit der Aufpeitschrute auf die Röcke de Frauen und Mädchen, nicht zu heftig, denn es sollte ja nicht "ausgepeitscht"   werden.  Das übliche Sprüchlein lautete:

Rute , rute Aaj``r raus,
peitsch mr eire Madln aus
Wenn´r kaane Maadln hobt,
peitsch mer Ihne selber aus.

In Schriftdeutsch:

Rote, rote Eier raus,
peitschen wir Eure Mädchen aus.
Wenn Sie keine Mädchen haben
peitschen wir Sie selber aus.

Die Buben erhielten dann ein gefärbtes Ei, ein Schokoladen- oder Zuckerei, einen Schokoladenhasen oder auch Geld.Im Fenster saß der Osterhase (aus Pappmache oder Gips) in der Ostersaat. Diese wurde etwa eine Woche vorher in eine mit Erde gefüllte Büchse oder Schale mit Getreidekörner angesät. In manchen Fenstern sah man auch das  Osterlamm, das in einer entsprechenden Form  (25-40cm lang) gebacken wurde und mit einem Fähnchen mit dem Kreuz auf dem Rücken, als Zeichen des auferstandenen Heilandes versehen. Auf dem Tisch lag der "Osterlaib", der aus Hefeteig mit Rosinen gebacken wurde. Er war das Festgebäck der Ostertage, ein runder Kuchen in Form einer Scheibe: Deutlicher Hinweis auf die Gestalt der Sonne.
Das Ostereiersuchen war im Komotauer Land  allseits bekannt. Die Eier waren versteckt in Garten, Feld und Wald. Die Kinder mußten sie finden. Da war eben der "Osterhos" da.
Eine weitere mythische Handlung war der Osterritt. Der Flurenritt fand unter Beteiligung des Geistlichen im Festgewand und von Ministranten zu Pferde statt.Später war aus der Prozession ein fröhliches Wettrennen der jungen Leute geworden.
Der Sonntag nach Ostern heißt im Volksmund "WeißerSonntag". Die Neu-Getauften in der ältesten Kirche durften bis zu diesem Tag ihre weißen Taufgewänder tragen. Diese Gewänder waren das Zeichen der von der Erbsünde gereinigten Seele. Die Kinder gingen am Weißen Sonntag zur ersten hl. Kommunion.
Nacherzählt aus dem Komotauer Jahrbuch, Folge 5, erschienen 2000, unter eigenen Ergänzungen.
 
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